Verlagsort: Berlin
Medium: Berliner Wirtschaft
Datum: 5.1.99
Auflage: 53.000
Zum Reden engagiert, zum Schweigen verpflichtet – Konferenzdolmetscher sind Garant für Erfolg
Messen, Veranstaltungen, Konferenzen, Ausstellungen oder auch nur einen Messestand zu organisieren, ist an für sich schon eine aufwendige Sache. Werden zusätzlich noch fremdsprachige Gäste erwartet, dann stellen sich weitere Probleme, die zu lösen sind, denn die wenigsten sind der englischen Sprache so mächtig, daß jede Nuance und auch die unausgesprochenen Worte zwischen den Zeilen verstanden werden. Wann und wie qualifizierte Dolmetscher am besten eingesetzt werden, schildert der nachfolgende Beitrag von Karlheinz Bredemeyer, der in Frankfurt/M das deutsche Presse- und lnformationsbüro des Internationalen Verbandes der Konferenzdolmetscher (aiic) leitet.
Gekonnt ist gekonnt
Ein Konferenzdolmetscher ist immer dann gut, wenn er nicht wahrgenommen wird. Sein Platz ist in der zweiten Reihe, wo er oder sie diskret einem Beruf nachgeht, in Deutschland sind ca. 800 bis 1000 Personen hauptberuflich tätig. Seriosität und Verschwiegenheit sind für die Vertreter des Faches sprichwörtlich, denn der Konferenzdolmetscher übt keine Zensur aus und lässt keine eigenen Wertungen einfließen. Dies käme einem unverzeihlichen Kunstfehler gleich. Trotzdem sind viele Leute immer noch der Meinung, Dolmetschen sei etwas, was ein sprachgewandter Mitarbeiter einfach so nebenbei machen könne. Dabei wird am falschen Platz gespart, denn ein qualifizierter Konferenzdolmetscher ist zwar nicht billig, aber seinen Preis allemal wert. Wenn man auf seine Dienste zurückgreift, kann der Redner in seiner Muttersprache wirklich alles sagen, was ihm wichtig erscheint und der Zuhörer versteht auch alles richtig, da er den Vortrag in seiner Muttersprache geboten bekommt. Ein professioneller Konferenzdolmetscher besitzt neben vorzüglichen Sprachkenntnissen vor allem eine gute Allgemeinbildung, fundierte Landeskenntnisse seiner Sprachen sowie das immer wieder auf den neuesten Stand zu bringende Fachwissen in seinen Themenbereichen. Simultandolmetschen ist heute das Haupttätigkeitsfeld eines Konferenzdolmetschers. Dabei sitzt er in einer schalldichten Kabine, nimmt über Kopfhörer die Ausführungen des Redners auf und übersetzt sie gleichzeitig in die Sprache der Anwesenden, die ihrerseits über Kopfhörer mit ihm verbunden sind. Anders verhält es sich heim Konsekutivdolmetschen, der bevorzugten Art bei sogenannten Vier-Augen-Gesprächen hochrangiger Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, in denen zwei, maximal drei Sprachen gesprochen werden. Der Dolmetscher sitzt am Konferenztisch und hält mittels Notizen fest, was der Redner sagt, um es den Anwesenden nachträglich in ihrer Sprache zu Gehör zu bringen. Berühmt-berüchtigt ist beim Simultandolmetschen die deutsche Sprache wegen der Nachstellung des Verbs, ihrer Schachtelsätze und der Verneinungsformen. Dies ist unter anderem mit ein Grund, weshalb es auch in Zukunft schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein wird, Konferenzdolmetscher durch Übersetzungsmaschinen zu ersetzen. Denn anders als der Mensch ist der Computer bisher nicht in der Lage, zu denken, geschweige denn mit- oder vorauszudenken. So kann er zum Beispiel eine Diskrepanz zwischen dem, was der Redner sagt, und dem, was der Redner meint, nicht erkennen. Er wird wortwörtlich das Gesagte übersetzen, egal ob es nun einen Sinn ergibt oder nicht.
Dolmetscher darf sich jeder nennen
Zweifellos ist der Zugang zum Konferenzdolmetschen und die Ausbildung dazu schwierig und langwierig. Dabei gibt es keine allgemein akzeptierte Definition. Die Berufsbezeichnungen Dolmetscher und Übersetzer sind gesetzlich nicht geschützt. Und hier liegt auch das Problem für viele Auftraggeber. Woher sollen sie bei der Organisation einer internationalen Veranstaltung oder Konferenz wissen, welche Dolmetscher gut oder weniger geeignet sind, welche Sprachenkombinationen sie für ihre Messe, Tagung, ihren Kongress oder ihr Symposium brauchen oder auf was sie zu achten haben. Für Qualität bürgt deshalb der Internationale Verband der Konferenzdolmetscher (aiic) mit Sitz in Genf. Er zählt weltweit ca. 2300 Mitglieder aus 80 Ländern. In Deutschland gehören dem Verband etwa 250 Konferenzdolmetscher an. Die Mitglieder arbeiten bei der UNO, der EG, für internationale Organisationen, für Sportverbände, die Bundesregierung oder auch für Unternehmen aller Größen in den unterschiedlichsten Fachbereichen. Alle Mitglieder der aiic sind erfahrene Konferenzdolmetscher, die meist nach einer hochqualifizierten Ausbildung an einer Universität oder Fachhochschule in einem strengen Auswahlverfahren ihre sprachlichen Fähigkeiten unter Beweis gestellt haben und einen hohen Qualitätsstandard bieten. Dadurch wird sichergestellt, dass ein Auftraggeber auch die hochqualifizierte Dienstleistung erhält, die er für den Erfolg seiner Veranstaltung benötigt.
